Abpausen und seine Schattenseiten

Abpausen und seine Schattenseiten

Warum es Dir langfristig mehr schadet als hilft

Schneller Erfolg auf den ersten Blick: Man findet eine Vorlage oder ein bereits existierendes Kunstwerk, paust es ab und schon scheint der schwierigste Teil des Zeichnens erledigt zu sein. Doch leider ist das Abpausen keine Methode, die uns wirklich weiterhilft, denn wir überspringen damit einen der wichtigsten Schritte beim Zeichnenlernen. In diesem Artikel werden die Schattenseiten des Abpausens genauer beleuchtet, um zu verstehen, warum es uns langfristig mehr schadet als hilft.

Was ist Abpausen?

Beim Abpausen handelt es sich um eine Technik, bei der man eine Vorlage (sei es ein Bild, eine Fotografie oder ein bereits existierendes Kunstwerk) unter ein leeres Blatt Papier legt und die Umrisse oder Linien des Motivs nachzeichnet. Dies geschieht in der Regel durch das Durchpausen der Konturen mit einem Bleistift oder einem anderen Zeichenwerkzeug.

Das Ziel beim Abpausen ist es, das Originalbild möglichst genau zu reproduzieren, um ein scheinbar perfektes Ergebnis zu erzielen, ohne dabei die Schwierigkeiten des eigentlichen Zeichnens bewältigen zu müssen.

Auf den ersten Blick kann es äußerst verlockend erscheinen, da es scheinbar eine einfache und schnelle Möglichkeit bietet, beeindruckende Ergebnisse zu erzielen. Doch leider ist das Abpausen keine effektive Methode, um die grundlegenden Fähigkeiten des Zeichnens zu erlernen und zu verbessern.

Abpausen

Foto von charlesdeluvio auf Unsplash

Warum ist Abpausen der falsche Weg beim Zeichnen lernen?

Prinzipiell ist das Abpausen keine verwerfliche Praktik, insbesondere wenn Du es für Dich alleine machst und daran Freude hast. Vor allem für kleine Kinder kann das Abpausen eine unterhaltsame Aktivität sein, da es keine besonderen zeichnerischen Fähigkeiten erfordert.

Jedoch ist es wichtig zu verstehen, dass das Abpausen Dich langfristig nicht dabei unterstützt, das eigentliche Zeichnen zu erlernen.

Unzureichende Entwicklung der Fähigkeiten

Beim Zeichnen sind eine Vielzahl von Fähigkeiten erforderlich, wie zum Beispiel das präzise Beobachten, das Verständnis für Perspektive, die richtigen Proportionen, Kompositionen, die Fähigkeit zur Schattierung und vieles mehr.

Das Abpausen ermöglicht es jedoch nicht, diese Fähigkeiten ausreichend zu entwickeln. Stattdessen wirst Du darauf trainiert, lediglich vorhandene Linien nachzuzeichnen, anstatt sie eigenständig zu erfassen und wiederzugeben.

Mangelnde Kreativität und Originalität

Mit dem Abpausen beschränkst Du Deine kreative Entfaltung, da Du nur kopierst, was bereits von jemand anderem kreiert wurde. Dadurch fehlt Deine individuelle Interpretation und die Möglichkeit, Deinen eigenen Stil zu entwickeln. Das Ergebnis ist ein Werk, das nicht originell ist und keine persönliche Note von Dir enthält.

Fehlende Möglichkeit aus Fehlern zu lernen

Beim Abpausen entgeht Dir die Möglichkeit, Fehler zu machen und aus ihnen zu lernen. Aber genau das ist ein sehr wichtiger Punkt beim Zeichnenlernen. Wenn Du Fehler machst, dann mag es im ersten Moment schade wirken, aber wenn Du Dich genau damit beschäftigst, was Du falsch gemacht hast, kannst Du darauf achten, es beim nächsten Mal besser zu machen.

Durch das Abpausen kannst Du aber gar keine wirklichen Fehler machen, da Du das Motiv nicht selbst zeichnest, sondern lediglich fertige Linien nachzeichnest.

Gefahr, dass Frust beim Zeichnen aufkommt

Ein häufiges Pro-Argument ist, dass Du mit dem Abpausen Dir jede Menge Frust beim Zeichnen ersparst. Dabei ist dieser Rat gefährlich, denn so weichst Du Hürden beim Zeichnen aus, von denen Du eigentlich jede Menge lernen könntest.

Außerdem kommt der Frust spätestens dann zurück, wenn Du versuchst ohne das Abpausen ein Bild zu zeichnen. Sieht die Zeichnung nämlich nicht so gut aus wie die abgepausten Werke, so kann es sogar noch frustrierender werden, da man das Gefühl hat, schlechter im Zeichnen geworden zu sein.

Abhängigkeit von Vorlagen

Ein sehr offensichtlicher Nachteil beim dauerhaften Abpausen ist, dass Du eine Abhängigkeit von anderen Bildern oder Werken entwickelst, da Du nicht lernst Deine kreativen Visionen und Ideen eigenständig zu Papier zu bringen. Dies kann sogar dazu führen, dass Du gar nicht zum Zeichnen kommst, wenn Du keine passende Motive zum Abpausen findest.

Verletzung des geistigen Eigentums

Es kann nicht nur peinlich, sondern auch problematisch werden, wenn man abgepauste Werke öffentlich teilt und diese dann als Kopie eines anderen Werkes enttarnt werden. Dies kann sogar urheberrechtliche Konsequenzen mit sich bringen, denn wenn Dein abgepaustes Bild als Plagiat eingestuft wird, kann dies eine Verletzung des geistigen Eigentums eines anderen Künstlers bedeuten.

Zeichnen ohne Abpausen

Zeichnen lernen ohne Abpausen

Aller Anfang ist schwer und es ist völlig in Ordnung, wenn Du als Anfänger nicht sofort perfekte Meisterwerke zeichnest. Das Zeichnen ist aber ein Handwerk, dass jeder mit viel Übung und Geduld erlernen kann.

Diese Dinge helfen Dir dabei, Deine zeichnerischen Fähigkeiten zu verbessern:

  • Skizzen zeichnen: Beim Skizzieren lernst Du, wie Du komplexe Formen, Schatten und Strukturen in einfacher Form zeichnerisch festhältst. Skizzen sind die Basis (fast) jeden Kunstwerks und daher eine der wichtigsten Fähigkeiten, die man als Künstler oder Hobby-Künstler beherrschen sollte.
  • Vorlagen nutzen: Anstelle die Vorlage unter Dein Papier zu schieben wie beim Abpausen, positionierst Du sie so, dass Du bequem von der Vorlage auf Dein Papier schauen kannst, ohne dabei den Kopf zu bewegen. Egal ob Deine Vorlage ein Foto ist oder Du Dich vor einem lebenden Objekt befindest, Du schulst Dein Auge, das Gesehene auf Dein Papier zu übersetzen und kannst es auch an Deine Vorstellungen anpassen.
  • Regelmäßiges Üben: Es gibt eine Vielzahl von Zeichenübungen, die spezifische Fähigkeiten wie Proportionen, Perspektive oder Schattierung gezielt trainieren. Durch regelmäßiges Üben und Zeichnen verbesserst Du diese Fähigkeiten, also bleib dran und lerne aus Deinen Fehlern.

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