Wie man ein Skizzenbuch (nicht) führt

Der Weg zum vollen Skizzenbuch

Wie man ein Skizzenbuch (nicht) führt

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| aktualisiert am 21.05.2020

Ein Skizzenbuch zu führen sollte eigentlich einfach sein, oder? Man füllt die Seiten mit Skizzen bis das Buch voll ist und wiederholt das ganze dann mit einem neuen Buch. Rein theoretisch stimmt das, aber in der Praxis können wir auf Hürden stoßen, die das Projekt Skizzenbuch zum Scheitern bringen.

In diesem Beitrag besprechen wir erst einmal was in ein Skizzenbuch hinein gehört und gehen dann tiefer darauf ein, wie wir ein Skizzenbuch führen, an dem wir lange Freude haben werden.

Was gehört in ein Skizzenbuch?

Wenn man unzählige Regeln bei der Auswahl der Skizzen beachten muss, verfliegt die Motivation bevor man überhaupt losgelegt hat. In erster Linie gehört alles ins Skizzenbuch, was unserer Kreativität entspringt, aber langfristig gesehen ist es gut gewisse Dinge nicht in unser Skizzenbuch zu stecken.

Zeichnerische Studien

Wenn wir uns nicht sicher sind, wie wir etwas zeichnen sollen, dann ist es Zeit für eine Studie! Und es gibt keinen besseren Ort dafür als unser Skizzenbuch.

Studien im Skizzenbuch

Bei einer Studie untersuchen wir ein Motiv, indem wir eine oder mehrere Skizzen davon anfertigen und diese gegebenenfalls durch Notizen ergänzen. Die Studie schult nicht nur unser Auge und unsere Hand, sondern dient später als Nachschlagewerk, auf das wir jederzeit zurückgreifen können.

Farbpaletten

Nicht immer weiß man beim Zeichnen direkt aus dem Stehgreif, welche Farben sich am besten für welche Motive eignen. In solchen Fällen bietet es sich an die Farben vorab im Skizzenbuch zu testen und in einer Farbpalette festzuhalten.

Farbpaletten sind besonders praktisch, wenn man eine Serie verschiedener Zeichnungen in Angriff nimmt und sicher gehen möchte, dass alle Farben der separaten Zeichnungen später zusammen passen.

Farbpaletten im Skizzenbuch

Achtung: Unterscheiden sich das Papier im Skizzenbuch und das Papier des späteren Werkes zu stark voneinander, lohnt es sich nicht direkt im Skizzenbuch zu testen. Wir können aber ein Stück des Papiers zum Testen nutzen und in das Skizzenbuch einkleben.

Ideen und Inspirationen

Jegliche Ideen können wunderbar im Skizzenbuch festgehalten und dokumentiert werden. Es spielt keine Rolle, wie detailliert die Idee skizziert oder beschrieben wird, solange sie uns eines Tages in eine brauchbare Grundlage zur Weiterentwicklung bietet.

Ähnlich verhält es sich auch mit Inspirationen: Alte Arbeiten, Texte, Postkarten oder Ausschnitte aus Magazinen können alleine oder in Kombination mit einer Skizze auf einer Seite eingeklebt werden.

Modezeichnung im Skizzenbuch

Skizzen, keine Zeichnungen

So groß die Verlockung auch sein mag: Zeichnungen gehören nicht in ein Skizzenbuch! Das Skizzenbuch ist kein Portfolio perfekter Werke, sondern ein Ort zum Lernen, Nachschlagen und Finden von Inspiration.

Eine gute Zeichnung in einem Skizzenbuch wird in den meisten Fällen herausgerissen, damit sie in eine Zeichenmappe wandern kann. Das Skizzenbuch wird dabei schlichtweg zerstört und fällt nach mehreren solcher Vorfälle irgendwann völlig auseinander.

Wie führt man ein Skizzenbuch?

Der eigentliche Zweck eines Skizzenbuchs ist es Ideen festzuhalten und Dinge besser zu verstehen. Mit jeder Seite die wir füllen, wird die Dokumentation unseres zeichnerischen Werdeganges größer. Ich würde empfehlen jede Skizze mit einem Datum zu versehen, denn es ist spannend später zu sehen, wie viel Zeit vergangen ist und wie sehr man sich verbessert hat.

Ein neues Skizzenbuch beginnen

Ein neues Skizzenbuch kann ziemlich einschüchternd sein, egal ob es unser erstes oder unser zehntes ist: Es könnte schließlich unser bestes Skizzenbuch werden, aber das gelingt natürlich nur, wenn wir die erste Skizze perfekt wird – oder?

Fakt ist, dass für viele von uns die erste leere Seite eine riesige Hürde darstellt. Je schneller wir sie also füllen, umso schneller lassen wir die Hürde hinter uns! Doch was ist die beste Skizze zum Start?

Keine perfekte Skizze

Die einfachste Lösung ist mehrere geometrische Formen nebeneinander zu skizzieren, bis das ganze Blatt voll ist. Wem das zu unspektakulär ist, der könnte z.B. ein zerknülltes Blatt Papier aus mehreren Perspektiven skizzieren. Oder aber man startet direkt mit einer Studie über etwas, das man ohnehin zeichnen lernen möchte.

Keine Skizze muss perfekt sein, denn das Skizzenbuch ist zum Üben da und am besten lernen wir, wenn wir Fehler machen.

Verschiedene Materialien verwenden

In einem Skizzenbuch muss man nicht ausschließlich den Bleistift benutzen. Das Skizzenbuch ist genau der richtige Ort für Experimente, also sollten wir uns nach Lust und Laune auch mit Tinte, Wasserfarben, Buntstiften, Kohle, Kreide etc. ausprobieren.

Sollte das Papier nicht für das Material geeignet sein, sollte man lieber auf einem anderen Stück Papier weiter machen und dies später ins Skizzenbuch einkleben. Es ist etwas ärgerlich, wenn Tinte oder Wasserfarben unbeabsichtigt auf dahinter liegenden Seiten landen.

Verschiedene Materialien im Skizzenbuch

Hässliche Seiten akzeptieren

Irgendwann wird der Tag kommen, an dem wir eine Seite im Skizzenbuch hassen werden. An diesem Tag wird die Versuchung besonders groß sein die Seite heraus zu reißen oder sie zu zu kleben.

An diesem Tag müssen wir aber stark bleiben und dürfen der Versuchung nicht nachkommen. Wer einmal eine Seite aus dem Skizzenbuch reißt, der wird es auch ein zweites Mal machen. Das Problem dabei ist, dass das Skizzenbuch kaputt geht. Und wer hat schon Lust mit einem kaputten Skizzenbuch weiter zu arbeiten?

Ich habe meine ersten beiden Skizzenbücher genau auf diese Art bis zu dem Punkt zerstört, dass sie reif für den Müll waren. Auch wenn ich vereinzelte Skizzen retten konnte (ich habe sie in ein neues Skizzenbuch eingeklebt), so wäre es durchaus schön gewesen das Buch in seinem ursprünglichen Zustand zu besitzen.

Es ist also wichtig sich mit dem Gedanken anzufreunden, dass manche Seiten einem hässlich vorkommen werden. Lasst uns in dem Moment aber bitte einfach weiter blättern.

Zeichnungen gehören nicht ins Skizzenbuch

Das Ziel: Volle Skizzenbücher

Ein volles Skizzenbuch ist etwas, worauf man wirklich stolz sein kann. Sollte einen die Ideenlosigkeit übermannen, ist es die beste Quelle für Inspiration. Der Weg zum vollen Skizzenbuch ist vielleicht nicht der einfachste, aber die Mühe lohnt sich. Am besten legt man einfach los und versucht so gut wie möglich am Ball zu bleiben, da man mit jeder Skizze, Studie oder Idee besser wird.

Wer Lust hat zu sehen, wie andere Künstler ihre Skizzenbücher gestalten, der kann einen Blick auf mein Pinterest-Board werfen:

Skizzenbücher – Ideen & Inspiration

Bonus: Welches Skizzenbuch ist das beste?

Es ist nicht leicht ein neues Skizzenbuch zu kaufen, denn eine falsche Entscheidung begleitet uns eine ganze Weile lang auf unserer künstlerischen Reise und könnte fatale Auswirkungen auf unsere Skizzen haben. So viel sei vorab schon verraten: Das beste Skizzenbuch ist das, was am besten zu deinem Lebensstil passt.

Format

DIN A5

Skizzenbücher im DIN A5 Format eignen sich gut für unterwegs, da das handliche Format in jede Tasche passt. Kommt einem eine Idee für ein Bild, ist das Skizzenbuch schnell gezückt.

Ich ging 2018 / 2019 mit einem Skizzenbuch im DIN A5 Format auf Weltreise und fand es nicht nur wegen der Größe, sondern auch wegen dem Gewicht äußerst praktisch.

DIN A4

Das DIN A4 Format scheint das wohl beliebteste Format für Skizzenbücher zu sein. Es bietet ausreichend Platz für größere Skizzen oder Studien, bei denen man z.B. das gleiche Objekt nebeneinander in mehreren Varianten zeichnet.

Für manche von uns kann es schwer sein mit einem Skizzenbuch in dieser Größe draußen zu zeichnen, wodurch es ein besonders beliebtes Format für zu Hause ist.

Hochformat und Querformat

Das Hochformat ist empfehlenswert, wenn man hauptsächlich Skizzen von Portraits anfertigen oder allgemein Menschen zeichnen möchte. Skizziert man vorwiegend Landschaften, dann ist das Querformat die bessere Wahl.

Kann man im schlimmsten Fall das Skizzenbuch nicht einfach drehen, wenn es spontan doch das andere Format sein soll? Das ist sicher kein Problem, aber bedenke, dass die Bindung bei manche Skizzen eventuell stören könnte.

Quadratisches Format

Kann man sich nicht zwischen Hoch- und Querformat entscheiden, könnte ein quadratisches Skizzenbuch ein guter Kompromiss sein.

Möchte man beispielsweise eine detailierte Skizze für eine rechteckige Zeichnung oder Malerei anfertigen, kann man einen rechteckigen Bereich auf der Seite im Skizzenbuch markieren und außerhalb zusätzliche Skizzen oder Notizen hinzufügen.

Zeichnungen gehören nicht ins Skizzenbuch

Papier

Und welches Papier gehört in das perfekte Skizzenbuch? 120 g/m² eignen sich optimal zum Skizzieren mit Bleistiften, wobei schwereres Papier auch das Arbeiten mit Wasserfarben ermöglicht.

Im Prinzip ist weißes Papier die beste Wahl, denn man schränkt sich damit bei der Verwendung verschiedener Materialien nicht ein. Vor allem für Farben ist es wichtig auf einem weißen Untergrund zu arbeiten, da sie so nicht verfälscht werden. Farbiges Papier hingegen ist ein Muss für alle, die mit Blei- oder Kohlestiften in Kombination mit einem weißen Stift arbeiten wollen.

Seitenanzahl

Die Frage nach der richtigen Seitenanzahl ist eher eine Frage der Dauer, die man an dem Skizzenbuch arbeiten möchte.

Ein Skizzenbuch mit zirka 20 Seiten ist schnell gefüllt und super für all diejenigen, die etwas unsicher sind und Angst haben das Buch nicht beenden zu können. Es eignet sich aber auch gut für überschaubare Projekte: Für meinen Beitrag über verschiedene Frisuren nutze ich auch ein Skizzenbuch bzw. ein Skizzenheft mit nur 20 Seiten.

Wer regelmäßig Skizzen zeichnet und all die Ideen nicht in unzähligen Skizzenbüchern suchen will, der wird auf jeden Fall mit 100 Seiten oder mehr glücklich werden.


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