Wie fange ich mit dem Zeichnen an als Anfänger?

An die Stifte, fertig, los! Oder nicht?

Wie fange ich mit dem Zeichnen an als Anfänger?

| aktualisiert am 14.05.2020

Wenn du mit dem Zeichnen anfangen willst und aus irgendeinem Grund hier gelandet bist anstatt einfach loszulegen, dann hast du vielleicht ein paar Fragen, die du zuerst klären möchtest. Lass uns diese gemeinsam klären, denn zeichnen lernen kann jeder und ein bisschen Ratlosigkeit ist am Anfang absolut normal.

Was ist das richtige Material zum Zeichnen?

Das richtige Material zum Zeichnen ist genau das, was bei uns zu Hause herum liegt. Teure Materialien hindern einen nur daran frei los zu zeichnen, denn man denkt darüber nach, dass man das gute Material nicht verschwenden möchte. Gerade am Anfang ist es wichtig sich keine zusätzlichen Hürden in den Weg zu legen.

Welches Zeichenpapier ist gut?

Zeichenpapier sollte in erster Linie eins sein: Einfarbig! Wir denken gar nicht erst daran kariertes oder liniertes Papier zu nutzen, denn das ist zum Schreiben und nicht zum Zeichnen gedacht.

Druckerpapier ist zwar ziemlich dünn, aber für Studien und Skizzen ist auch das am Anfang völlig in Ordnung. Ein Minuspunkt beim Druckerpapier ist, dass es beim Radieren knittern oder sogar reißen kann.

Gutes Zeichenpapier hat eine etwas raue Oberfläche. Das mag einem Laien gar nicht richtig auffallen, aber an der rauen Oberfläche bleiben die Farbpigmente von Blei- oder Buntstifte viel besser haften und können in ihrer vollen Intensität wirken.

Große Auswahl beim Zeichenpapier

Was bedeutet die Grammangabe beim Zeichenpapier?

Zeichenpapier ist immer mit einer Angabe versehen, die über Gramm pro Quadratmeter informiert. Aber wie viel Gramm sind gut zum Zeichnen? Leichtes Papier ist nicht zwingend schlecht und schweres nicht zwingend gut. Es kommt darauf an, was man zeichnen möchte.

Leichtes Papier von 90 g/m² bis 120 g/m² eignet sich sehr gut für technische Zeichnungen, denn auf diesem Papier gelingen präzise, gerade Linien mit harten Bleistiften am besten. Wenn man mit weicheren Bleistiften auf leichtem Papier zeichnet, muss man damit rechnen, dass die dunklen Linien durch das Papier hindurchscheinen können. Leicht bedeuet nämlich auch gleichzeitig dünn.

Schweres Papier mit 150 g/m² und aufwärts hingegen wird die Striche etwas unsauber und organischer wirken lassen, was aber durchaus für Portraitzeichnungen gewollt ist. Weiche Bleistifte und Buntstifte mit starken Pigmenten können auf schwerem Papier so richtig gut zur Geltung kommen.

Welche Bleistifte braucht man zum Zeichnen?

Für den Anfang genügt der nächstbeste Bleistift. Und wenn dieser ein Bleistift von Ikea ist, dann wird eben auch damit gezeichnet.

Später sollten wir uns aber an dem breiten Spektrum verschiedener Bleistifthärten bedienen, damit wir das beste aus unseren Zeichnungen rausholen können. Grob zusammen gefasst ermöglichen die harten Bleistifte präzise, aber auch helle Striche. Die weichen Bleistifte hingegen zeichnen organische, aber auch dunkle Striche.

Detailierte Infos zu Bleistifthärten
verschiedene Bleistifte

Brauche ich einen Radiergummi?

Das mit dem Radiergummi ist das so eine Sache: Wenn er uns am Zeichnen hindert und wir uns dabei erwischen jede Linie wieder zu radieren, dann muss er weg! Wir wollen nicht, dass der Radiergummi unsere Unsicherheit speist. Er sollte nur zum Einsatz kommen, wenn man etwas ausbessern oder verschwinden lassen will. Wenn dies aber jede Linie ist, die wir ziehen, dann kommen wir nicht mehr zum Zeichnen.

Kennt man einen Radiergummi nicht, testet man am besten auf einem separaten Blatt Papier, ob er auch gut ist. Er darf nämlich nicht schmieren, sondern soll die Striche sauber und zuverlässig entfernen.

Radiergummi zum Zeichnen

Woran erkenne ich einen guten Anspitzer?

Manche Anspitzer da draußen müssen Stifte hassen: Eine schlechte Klinge reißt am Holz des Stiftes und bricht die Miene, statt den Stift zu spitzen. Daher sollte man in einen guten Anspitzer investieren, dessen Klinge sauber und zuverlässig arbeitet.

Es gibt Künstler, die anstelle von Anspitzern Messer oder Sandpapier zum Anspitzen nutzen. Hierbei wird der Länge nach gearbeitet, um die Mine zu schonen. Wer seine Bleistifte so spitzt, der kann sie in eine bestimmte Form bringen und den Strich beeinflussen.

Beim Zeichnen merkt man schnell, dass der Bleistift nicht immer spitz sein muss. Gerade für weiche Schatten oder beim Zeichnen von Haut werden wir eine abgeflachte Mine lieben lernen, da sie unglaublich feine Übergänge möglich macht.

Wie wichtig ist Licht beim Zeichnen?

Gutes Licht ist nicht nur besser für unsere Augen, es macht das Zeichnen für uns auch viel angenehmer. Bei schlechtem Licht können Bleistiftstriche glänzen oder Buntstiftstriche farblich völlig anders aussehen.

Tageslicht ist im Grunde genommen das beste Licht zum Zeichnen. Die Zeichenhand sollte dabei keinen Schatten auf das Papier werfen, denn wenn wir nicht richtig sehen können, was wir zeichnen, dann werden wir auch nicht richtig zeichnen lernen können.

Zeichnen lernen als Anfänger

Nun aber genug Theorie! Wie startet man denn nun als Anfänger mit dem Zeichnen? Bestenfalls mit Skizzen, aber das ist vielen von uns zu langweilig. Wir wollen gleich mit etwas Richtigem loslegen. Zu schwer sollte es aber auch nicht sein, denn sonst werfen wir vielleicht frühzeitig den Bleistift ins Korn.

Eine einfache Zeichenvorlage für Anfänger wären beispielsweise Blumen oder vielleicht Obst (ich esse gerne Bananen). Ich denke, mit solchen Vorlagen kann man ziemlich schnelle Ergebnisse erzielen. Etwas schwerer, aber auch für Anfänger machbar, ist das Thema Menschen zeichnen. Menschen sind selbst für Fortgeschrittene eine Herausforderung, aber wer früh startet und geduldig mit sich selbst ist, der wird auch hier viel Freude am Zeichnen beibehalten.

Auf jeden Fall sollten wir als Anfänger keine zu großen Ansprüche an uns haben, denn beim Zeichnen gilt: Übung macht den Meister und solange man heute besser ist als gestern, ist man auf dem richtigen Weg.

Anspitzer zerstört Bleistifte

Letzte Tipps

  • Bewahre alle deine Zeichnungen und Skizzen auf, denn sie dokumentieren deinen Fortschritt und können später eine Quelle der Inspiration für neue Werke sein.
  • Zwing dich nicht zum Zeichnen. An manchen Tagen klappt es einfach nicht, das geht selbst den besten Künstlern so.
  • Du braucht kein Talent zum Zeichnen. Zeichnen ist ein Handwerk, das jeder erlenen kann. Talentierte Menschen lernen es schneller als andere, aber eine talentierte faule Socke kann von jemandem mit viel Fleiß überholt werden.
  • Zeichne auch mal vom lebenden Objekt ab, nicht nur von Fotos. Ein Foto ist nämlich bereits zweidimensional, genau wie eine Zeichnung. Die Übersetzung von drei Dimensionen zu zwei ist am Anfang etwas verwirrend und schwer, aber es lohnt sich dies regelmäßig zu üben.
  • Vergleiche dich nur mit dir selbst, denn der Vergleich mit anderen kann dir schnell jegliche Freude am Zeichnen rauben.

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